Dresden. Derzeit stehen 93 Objekte in Erdgeschoss-Zonen im Stadtzentrum leer. Der Leerstand in der Innenstadt von Dresden hat sich seit 2015 verschärft.

Dresden. Derzeit stehen 93 Objekte in Erdgeschoss-Zonen im Stadtzentrum leer. Die ehemaligen Einzel-handelsgeschäfte und gastronomischen Einrichtungen verfügten einmal über insgesamt ca. 22.000 Quadratmeter Ladenfläche. Damit hat sich der Leerstand seit 2015 verschärft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur “Erhebung der Leerstände in der Dresdner Innenstadt“, welche im Auftrag des City Management Dresden e.V. seit Frühling bis August 2021 von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) mbH, Büro Dresden durchgeführt wurde.

Nichts mehr los? Geschäftssterben auf der Wilsdruffer Straße in Dresden   Foto: MeiDresden.deNichts mehr los? Geschäftssterben auf der Wilsdruffer Straße in Dresden Foto: MeiDresden.de

Besonders alarmierend: Die Leerstände seien weniger durch ruinösen Bauzustand bzw. unattraktives Umfeld geprägt, sondern meist durch kleinere Geschäfte im wieder bezugsfertigen Zustand. Die Nachfrage nach „traditionellen“ Nutzungen ist laut Studie fast zum Erliegen gekommen und es sind weitere Leerstände zu erwarten.

Zahlreiche Objekte werden auf Grund ihrer Lage, der generellen Entwicklung im Einzelhandel und im Verbraucherverhalten für Handelsfunktionen nicht wieder vermiet- bzw. nutzbar sein, so die Prognose. Daher sind die Einzelhandels- und Zentrenstruktur für die Innenstadt, aber auch die peripheren Bereiche neu zu durchdenken und konzeptionell festzulegen.

Nichts mehr los? Geschäftssterben auf der Wilsdruffer Straße in Dresden  Foto: MeiDresden.deNichts mehr los? Geschäftssterben auf der Wilsdruffer Straße in Dresden Foto: MeiDresden.de

 Die Stadt Dresden muss mit dem Einzelhandelskonzept sowie in weiteren Maßnahmen wie Mobilitätskonzept, Gestaltungs- und Grünflächenkonzept sich klar zur vordergründigen Aufwertung der Innenstadt bekennen, um weiterem Qualitätsverlust vorzubeugen, legt die Studie nahe. „Die Dresdner Innenstadt ist trotz des Landeshauptstadt-Bonus nicht ausgenommen vom allgemeinen Trend, dass die Leerstände in den Innenstädten zunehmen und einen Umfang erreicht haben, was ein aktives, gemeinschaftliches Gegensteuern unabdingbar macht.“ so der Leiter der GMA, Dr. Eddy Donat.

Die Situation der Leerstände hat sich während- und nach Corona weiter verschärft. Aus den Untersuchungen, zahlreichen Gesprächen mit Akteuren und der Auswertung diverser Veröffentlichungen geht der Studie zufolge aber auch hervor, dass der zunehmend sichtbare Leerstand in der Innenstadt auch durch allgemein fehlende Frequenz in den Fußgängerzonen zustande kommt. Branchenabhängige Umsatzrückgänge von 50 bis 80 Prozent haben Auswirkungen auf die Erhaltung des Branchenmix.

Nichts mehr los? Geschäftssterben auf der Wilsdruffer Straße in Dresden  Foto: MeiDresden.deNichts mehr los? Geschäftssterben auf der Wilsdruffer Straße in Dresden Foto: MeiDresden.de

Für die Innenstadt sei besonders nachteilig, dass PKW-Besucher in Dresden vorwiegend um die Kernstadt herumgeleitet werden, außerdem wenig Menschen direkt im Zentrum wohnen und eine besondere Aufenthaltsqualität, Flair, moderne Stadtmöblierung bis zur Vernetzung mit digitalen Angeboten im Stadtzentrum der sächsischen Landeshauptstadt fehlt.

Dennoch habe die Innenstadt von Dresden mit Prager Straße, Altstadt und Hauptstraße viel Potenzial, was aber nur mit nachhaltigen politischen Entscheidungen zur Unterstützung dieser Einkaufszentren entwickelt werden kann. Erforderlich sind laut Studie intelligente Mobilitätskonzepte (P+R, ÖPNV, Parkraum), gezielte Strukturverbesserung, finanzielle Anreize und Förderprogramme für die Aufwertung der Innenstadt bereitzustellen.

Der Trend gehe zu Mixed-Used-Konzepten, auch in den Einkaufszentren mit Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie, Soziales, Kunst und Kultur unter einem Dach. Vielseitigkeit ist Trumpf im Gesamtkonzept für Immobilien und eine lebendige Innenstadt in Zukunft. Außerdem sind Lokalität, Regionalität und Identifizierung mit den Angeboten bei den Kunden gefragt, so das Resümee der GMA-Studie. Daher sollte alles getan werden seitens der Stadt, Centermanagements, Händler und Eigentümer, um dem Leerstand und weiterer Verödung der Innenstadt aktiv zu begegnen, um diese wieder anziehend zum Besuch, Verweilen, Erleben und Shopping-Bummel zu gestalten.

Corona: Impfaktion in der Centrum-Galerie - Ohne Termin vom 11. bis 14. August im Einkaufszentrum ©MeiDresden.de(Symbolfoto)

„Eine Erhaltung und punktuelle Attraktivitätssteigerung des Einzelhandels in der Dresdner Innenstadt liegt uns sehr am Herzen, weshalb wir die Ergebnisse der Leerstandsanalyse mit Interesse und auch Sorge betrachten. Erfreulicherweise konnten wir durch die inzwischen positivere Corona-Situation in den letzten Wochen fünf neue Mietverträge in der Altmarkt-Galerie abschließen, weshalb wir nur noch sechs Leerstände haben und auch diesbezüglich optimistisch in die Zukunft schauen.“ Christian Polkow, Center Manager Altmarkt-Galerie Dresden

„Mit dem Gutachten der GMA liegt eine qualifizierte und objektive Analyse zur Leerstandssituation des Einzelhandels in der Dresdner Innenstadt vor. Auch wir beobachten die Entwicklung in der Innenstadt mit großer Sorge, denn mit den Leerständen sinkt die Attraktivität des Einkaufsstandortes Innenstadt Dresden insgesamt. Vor diesem Hintergrund schließen wir uns der Forderung des Büros GMA wie auch Dr. Lademann & Partner (2020) an, dringend ein neues Zentrenkonzept für die Stadt Dresden zu erstellen, welches die Basis für die Entwicklung des Einzelhandelsstandortes Dresden bildet.“, so Dr. Dirk Fittkau, Manager bei Klepierre und Interimsmanager der Centrum Galerie.

Quelle: City Management Dresden e. V.